Menschenbilder

Selbst-Versuche

Im Januar wurde ich durch die Malereien von Francis Bacon in Düsseldorf erneut inspiriert, mich noch einmal intensiv mit dem Motiv des „Bewegten“ zu beschäftigen. Bewegung im Bild als „Inszenierung von Zeit“ hat mich schon immer beschäftigt sowohl in der Malerei als auch in der Fotografie.

Menschenbilder 2024

Ich bin gleichzeitig immer Mensch für mich selbst und Mit-Mensch für andere. Teil einer Menschheit mit allen anderen Mit-Menschen zusammen. Diese Menschheit spaltet sich in konkurrierende Gruppen, Gesellschaften und Staaten. Teilweise befinden sie sich in kriegerischer Auseinandersetzung. Menschen im Krieg werden durch die Umstände in einen archaisch-primitiven Überlebens-Kampf-Zustand versetzt. Sie werden im Kollektiv zu einer archaisch-primitiven, unzivilisierten „Horde“, sie werden in den Zustand nackter Angst versetzt.

In dieser kriegerischen Welt bin ich Teil einer menschlichen „Horde“, die andere Mit-Menschen bzw. „Horden“ bedroht oder übervorteilt, aber zugleich auch Teil einer „Horde“, die von anderen übervorteilt oder bedroht wird. Als Mit-Mensch bin ich immer beides und alles!

Crowd, 2024 – Ich bin Horde

Die tragische Eskalation im Gazastreifen erzeugt bei mir das Gefühl der Hilflosigkeit und Trauer. Der terroristische Überfall der Hamas auf Israel und die folgende kriegerische Vergeltungs-Reaktion Israels, um die israelischen Geiseln zu befreien, sind für mich eine weitere Facette des menschlichen Dilemmas scheinbar keinen Frieden finden zu können: Das Dilemma tausendfachen unmenschlichen Leids, das Un-Menschen ihren Mit-Menschen zufügen.

Zunächst wählte ich für „meine Horde“ aus diesem aktuellen Anlass ein verändertes Gaza-Foto (von Mohammed Ali/XinHua/dpa) als Montage-Hintergrund.

Das Gaza-Foto von Mohammed Ali habe ich in einem weiteren Versuch durch AI-Kreationen ersetzt, die ich mit „Stable Diffusion“ erzeugte. Das dabei verwendete KI-Modell wurde mit vielen im Internet veröffentlichten Fotografien über Krieg „trainiert“.

Diese KI-Fiktionen fassen deshalb die vielen weltweiten Szenarien kriegerischer Konflikte zusammen, in denen Autokraten, Diktatoren oder Terroristen Menschen gegen Mit-Menschen aufhetzen.

„Nacktsein“ im öffentlichen Raum symbolisiert für mich das totale Fehlen von „Civilisation“, Kleidung ist bei uns fell-losen Menschenwesen, ein erster zivilisatorischer Schritt gewesen. Tierfelle, meist in gemeinschaftlicher Jagd mit Werkzeugen bzw. Waffen, erbeutet, lieferten den primitiven Horden Bekleidung und oft zugleich soziale Statussymbole.

„Nacktsein“ heißt für mich damit außerdem, gänzlich ohne Schutz sein. Ein Tuch oder ein Lumpen sind ein gewisser Schutz vor der vollständigen Entblößung. Ein Schutz vor totalem Nacktsein und totaler Entwürdigung durch Ausschluss aus der Zivilisation. Zugleich ist ein Tuch die Körperbedeckung in heißen Ländern und es werden damit aktuell auch „ethnologische Assoziationen“ geweckt, z.B. um arabische Mitmenschen in den Blick zu rücken. Indem ich unter dieses Tuch schlüpfe, bin ich zugleich dieser „Mit-Mensch“ in der Horde!

Ich bastelte mir für die „Emotion“-Selfies ein Camera-Rig und erweiterte mein Fotostudio für die Aufnahmen mit meiner neuen Fuji GFX 50SII durch passende Beleuchtung sowie verschiedene Hintergründe und Adapter. Mit mehreren Foto-Bearbeitungs-Programmen optimierte ich die Freistellung vom Hintergrund für die anschließende Montage.